FRÜHLINGSSONNE, LOCHMUSTER & EINE RICHTIG GUTE STRICKIDEE

FRÜHLINGSSONNE, LOCHMUSTER & EINE RICHTIG GUTE STRICKIDEE

Manchmal braucht es gar nicht viel – ein paar Sonnenstrahlen, einen halbwegs heilen Daumen und eine spontane Idee – und schon fühlt sich eine Strickwoche richtig besonders an.

In meiner aktuellen Strick-Podcast Folge 56 nehme ich euch wieder mit durch mein kreatives Chaos zwischen Lochmuster, Grobstrickmaschine und einem Projekt, das eigentlich ganz anders geplant war.

Mein Olerki – langsam, aber mit viel Herz

Ich arbeite immer noch an meinem Olerki aus dem wunderschönen japanischen Strick-Magazin amirisu assemblage Volume 2. Ich liebe dieses Design einfach. Es ist schlicht – aber durch das Lochmuster und die kleinen Strukturdetails gleichzeitig total raffiniert. Genau mein Ding für den kommenden Herbst.

Eigentlich wollte ich viel weiter sein… aber dann habe ich mir meinen Daumennagel ziemlich tief eingerissen. Und glaubt mir: Mit Pflaster am Daumen strickt es sich wirklich nicht elegant. Trotzdem habe ich mich durchgebissen – zumindest ein bisschen.

Was mich diesmal besonders beschäftigt hat, war tatsächlich das Chart. Die Legende ist oben im Buch platziert, ich stricke aber von unten nach oben. Klingt banal, ist aber beim dauernden Draufschauen erstaunlich irritierend. Vielleicht ein kleiner Gedanke für alle angehenden Strickdesigner da draußen: Funktion schlägt manchmal Optik.

Und dann tauchte da dieses mysteriöse Symbol auf: „K3 ROG TBL“. Ich habe gesucht, recherchiert, Links durchforstet – und bin am Ende bei „3 Maschen rechts zusammen durch das hintere Maschenglied“ gelandet. Es funktioniert, das Maschenbild sieht richtig aus… aber so ein kleiner Zweifel bleibt trotzdem. Falls ihr das Kürzel kennt – ich bin ganz Ohr!

Spannend finde ich auch, dass in diesem Muster wirklich in jeder Runde etwas passiert. Keine entspannte Zwischenrunde glatt rechts. Das fordert Konzentration, aber das Ergebnis ist wunderschön lebendig. Allerdings hatte ich nach zwei Runden das Gefühl: Das wird zu fest. Also habe ich spontan von 4 mm auf 4,5 mm gewechselt. Und plötzlich war alles stimmig. Manchmal merkt man einfach, wenn ein Projekt „atmen“ muss.

Ich bin unglaublich gespannt, wie sich das Lochmuster nach dem Waschen und Spannen verhält – besonders weil die Umschläge auf einer Seite größer wirken als auf der anderen. Stricken bleibt einfach ein kleines Abenteuer.

Stricken in der Frühlingssonne – und dann kam die Idee

Und dann… kam der Frühling. So richtig. Sonne, Licht, gute Laune. Ich habe meine Grobstrickmaschine geschnappt und nach draußen gestellt. Es gibt kaum etwas Schöneres, als Garn durch die Maschine laufen zu lassen, während man die ersten warmen Sonnenstrahlen im Gesicht spürt.

Eigentlich war der Plan ein Oversize-Pullover. Die Wolle lässt allerdings noch auf sich warten. Also habe ich improvisiert – und genau das liebe ich am Kreativsein.

Ich habe einfach experimentiert: dickes Chunky-Garn kombiniert mit dünner Sockenwolle. In meinem Fall war es Drops „Snow“ zusammen mit einer feinen Merino-Leinen-Mischung. Und plötzlich entstand dieses plastische, wellige Lochmuster mit einer richtig spannenden Tiefe.

Erst dachte ich an einen Pullunder. Dann an ein Tuch. Und dann habe ich das Strickstück einfach gedreht. Und das war der Moment.

Die Streifen verlaufen jetzt vertikal statt horizontal – und auf einmal wirkte alles ganz anders. Moderner. Lässiger. Unkomplizierter zum Designen.

Jetzt wird aus diesem tollen Lochmuster ein luftiges Sommertop. Eines, das man über einem BH oder Bikini tragen kann. Oder über einem schmalen Kleid. Ein bisschen sexy, ein bisschen verspielt – aber trotzdem tragbar.

Zunächst stricke ich für das Top das Vorderteil und Rückenteil identisch. Im nächsten Schritt nähe ich beide Teile entlang der schwarzen Seitennaht und der Schulter zusammen. Sobald ich den Fall erkennen kann bestimme ich, ob dieses schöne Top noch Bündchen an den Armausschnitten bekommt. 

Ich liebe solche Momente. Wenn man nicht verbissen am ursprünglichen Plan festhält, sondern dem Material erlaubt, einem die Richtung zu zeigen.

Warum ich genau solche Wochen liebe:

Es war keine „perfekte“ Strickwoche.
Ich war langsamer.
Ich war zwischendurch irritiert.
Ich musste umdenken.

Aber genau daraus sind die schönsten Ideen entstanden.

Ich finde, Stricken ist so viel mehr als nur Maschen aneinanderreihen. Es ist Denken, Fühlen, Ausprobieren, Verwerfen – und manchmal einfach nur in der Sonne sitzen und das Garn durch die Finger gleiten lassen.

Jetzt freue ich mich riesig darauf, das Sommertop fertigzustellen und euch nächste Woche zu zeigen. Und natürlich geht es auch mit dem Olerki weiter – hoffentlich diesmal ohne Pflaster am Daumen.

Und ihr?
Seid ihr schon im Sommermodus mit Baumwolle und Leinen? Oder steckt ihr noch mitten in kuscheligen Übergangsprojekten?

Erzählt mir unbedingt, was gerade auf euren Nadeln liegt. Schreibt mir entweder hier, auf YouTube oder Instagram Ich liebe es zu lesen, woran ihr arbeitet – und vielleicht inspiriert ihr mich ja zu meinem nächsten Experiment. 

NEUES MÜTZEN-TUTORIAL ONLINE: 2-FÄDIGE KUSCHEL-MÜTZE AUF DER STRICKMASCHINE STRICKEN

NEUES MÜTZEN-TUTORIAL ONLINE: 2-FÄDIGE KUSCHEL-MÜTZE AUF DER STRICKMASCHINE STRICKEN

In meinem 13. Strick-Tutorial auf meinem YouTube-Kanal zeige ich euch, wie ich eine super kuschlige Beanie Mütze mit einem 1-1 Rippenmuster auf meiner Brother Doppelbett Strickmaschine (KH 860 + KR850) stricke. Die Mütze hat eine flache Krone und wird 2-fädig gestrickt. Sie besteht zum einen aus einer handgefärbten Sockenwolle (75% Schurwolle, 25% Polyamid) mit einer Lauflänge von 410 Metern auf 100 Gramm und einem Kid-Silk Garn von Drops (75% Mohari, 25% Seide) mit einer Lauflänge von 210 Metern auf 25 Gramm. Selbstverständlich könnt ihr jedes Garn verwenden, das ihr akutell auf Vorrat habt, nur die jeweiligen Qualitäten der beiden Fäden sollten sich ähneln.

Das Stricken geht im Prinzip sehr einfach, ihr müsst jedoch bei der Abnahme der flachen Krone etwas Geduld mitbringen. Ich verspreche euch jedoch, dass sich diese Mühe definitiv lohnt! Diese Mütze ist mein absoluter Favorit für den kommenden Winter und das Stricken geht so einfach, dass sie definitiv auch für Strick-Anfänger geeignet ist.

STRICK-ANLEITUNG FÜR EINE BROTHER DOPPELBETT STRICKMASCHINE (KH860 + KR850):

Für diese Mütze müsst ihr 136 Maschen (68/68) anschlagen. (Solltet ihr die Mütze für einen etwas breiteren Kopf stricken, könnt ihr die Maschenanzahl einfach etwas erhöhen)

Da die Mütze 2-fädig gestrickt wird, sollte die Spannung am Fadenmast auf ein Minimum reduziert werden.

Nach der Anschlagkante in FS: 3.0 strickt ihr 86 Reihen im 1:1 Rippenmuster mit FS: 7.0.

Nach 86 Reihen könnt ihr bereits mit der Abnahme für die flache Krone beginnen.

Dazu halbiert ihr die Maschenanzahl indem ihr die vorderen Maschen nach hinten umhängt und dabei alle hinteren Nadeln doppelt belegt. Nun müsst ihr alle Maschen mit einem Decker-Tool zur Mitte hin zusammenrücken. Sobald alle doppelt belegten Nadeln nebeneinander liegen, müsst ihr die doppelten Maschen wieder in eine 1:1 Rippenmuster-Einteilung umhängen. Nun strickt ihr 6 Reihen.

Nach 6 Reihen halbiert ihr die Maschenanzahl erneut (s.oben) und strickt 4 weitere Reihen.

Nun ist die Mütze fertig gestrickt und ihr könnt sie mit etwas Wolle von der Maschine abnehmen. Ich hänge dazu zunächst alle Maschen von vorne nach hinten um (jede Nadeln ist dabei einzeln belegt). 

Zum Schluß müsst ihr die Seiten der Mütze nur noch mit einer Matratzennaht schließen und schon ist die Mütze fertig für den Einsatz.

Sollte euch die schriftliche Anleitung etwas zu kompliziert klingen, dann schaut euch doch einfach kurz mein Strick-Tutorial zur Kuschel-Mütze an.

Übrigens: In diesem Video habe ich mit (von mir) handgefärbter Wolle gearbeitet, aber auch mit DropsKid-Silk“ in Farbe 54. Beide Woll-Stränge habe ich vor dem Maschine-Stricken gewachst. Erst nach dem 1. Waschen zeigt sich der Kuschel-Effekt des Kid-Silk Garns.

EVITA LANA STRICK-PODCAST: FOLGE 1 AUF YOUTUBE

EVITA LANA STRICK-PODCAST: FOLGE 1 AUF YOUTUBE

Ja. Jetzt ist es so weit! Ab sofort stricken wir wöchentlich „gemeinsam“ auf YouTube. Mit meinem aktuellen Video starte ich meinen STRICK-PODCAST. Einem wöchentlichem Video, in dem ich euch etwas detaillierter von meiner Strick-Reise erzählen möchte.

Wie ihr bereits wißt, stricke ich nicht nur mit der Hand, sondern auch mit der Maschine. In meinem kleinen Fuhrpark besitze ich bereits eine BROTHER KH 840, eine BROTHER KH860 + KR850 und eine PFAFF duomatic 80. Ich liebe alle drei Strickmaschinen und jede einzelne kommt bei mir in unterschiedlichen Projekten zum Einsatz. Die großen Projekte wie Pullover und Pullunder stricke ich mittlerweile am Liebsten auf der Strickmaschine. Wohingegen ich die kleinen Projekte wie Socken oder Mützen noch immer gerne von Hand stricke.

In meiner FOLGE 1 erzähle ich euch unter anderem von:

Doch, was schreibe ich hier? Besucht mich auf meinem YouTube Strick-Kanal und schaut euch doch einfach mein Video an! Darin zeige ich euch alles.

Viel Spaß beim Ansehen.

DIE MASCHENPROBE

DIE MASCHENPROBE

Damit ihr seht, dass ich auch aus Fehlern lerne, möchte ich euch heute kurz erklären, wie man für das Maschinestricken eine anständige Maschenprobe strickt. Eine Maschenprobe ist für MaschinestrickerInnen super schnell gestrickt. Leider funktioniert das beim Handstricken nicht so schnell. Daher weiß ich aus Erfahrung, dass man diese gerne einmal unter den Tisch fallen lässt. Ich rate jedoch auch allen HandstrickerInnen, dass sie eine anstädige (s. Beschreibung unten) Maschenprobe stricken. Auf Basis dieser Probe kanst du dann mit Hilfe einfacher Mathematik berechnen, wieviele Maschen und Reihen du benötigst, um ein bestimmtes Strickstück akurat stricken zu können. 

Auch wenn viele dieses Thema gerne vermeiden, so ist die Strick-Mathematik wirklich das A und O für ein gelungenes Strick-Projekt. Also habt keine Angst davor! Nehmt einen Zettel und einen Stift in die Hand und kalkuliert euer nächstes Projekt. Wenn euch das abschreckt oder zu mühsam ist, dann nutzt einfach eins der vielen tollen KI-Programme im Internet. Diese helfen rechenfaule StrickerInnen ganz unkompliziert weiter.

 

Eine akurate Maschenprobe erstellen

Die Größe der Maschen wird von der Einstellung des Maschenreglers am Schlitten bestimmt. Da sich diese Einstellung je nach Wollstärke und Muster ändert, musst du IMMER eine Maschenprobe stricken (60 Maschen × 60 Reihen), bevor du ein Kleidungsstück beginnst.

Diese Maschenprobe solltest du idealerweise immer akurat beschriften, archivieren und die Ergebnisse in einer Tabelle übersichtlich eintragen. Notiere dabei nicht nur die erreichte Maschen- und Reihenanzahl, sondern auch die verwendete Wolle (Marke, Material und Farbe) und das angewendete Muster. Diese Notizen werden dir auf lange Sicht viel Zeit und Nerven sparen.

 

Stricken der Maschenprobe

1. Vorbereitung
Schiebe 60 Nadeln in B-Position.

2. Anfang
Stricke mit der gewünschten Wolle für dein Kleidungsstück 10 Reihen. Danach stricke zwei Reihen mit einer Kontrastwolle.

3. Reihenzähler
Stelle den Reihenzähler auf Null ein.

4. Auslöser einstellen
Klappe den Auslöser für den Reihenzähler nach unten.

5. Strickprozess
Stricke 30 Reihen mit der Strickwolle und in dem Muster, wie du es auch für dein Kleidungsstück verwenden möchtest. Schiebe danach jeweils jede 21. Nadel rechts und links von Null (Mitte) in E-Position. Lege ein Stück der Kontrastwolle in die Haken dieser Nadeln und ziehe die Nadeln wieder zurück in die B-Position.

6. Fortfahren
Stricke weitere 30 Reihen. Dann stricke zwei Reihen mit der Kontrastwolle. Stricke zum Abschluss erneut 10 Reihen mit der Strickwolle. Hier kannst du mit Hilfe von eingestrickten Löchern die Fadenspannung visualisieren. 6 Löcher entsprechen so z.B. eine verwendete Fadenspannung von 6.0 . Kette alle Maschen ab und werfe das Probeteil zum Schluss von der Maschine.

7. Maschenprobe entspannen
Wasche und trockne deine Maschenprobe.

Wie bestimmt man die Maschen- und Reihenzahl?

Um gleiche Abmessungen zwischen dem Gestrick und dem Schnitt zu bekommen, ist es notwendig, die Maschenprobe genau auszumessen:

1. Höhe
Messe 60 Reihen innerhalb der Kontrastfarbe in cm.

2. Breite:
Messen Sie 40 Maschen in cm.

Nun kannst du einfache Mathematik für deine Bedürfnisse anwenden.
Tipp: Für ein genaues Maß solltest du an 3 verschiedenen Stellen messen und den Mittelwert berechnen.

 

Ein Beispiel für die Kalkulation der Höhe:

Frage: Wenn ein Strickstück 14 cm auf 60 Reihen hat. Wieviele Reihen benötige ich für 10 Zentimeter?

Rechenweg:

14 cm entsprechen 60 Reihen:

60/14 =4,29 Reihen pro Zentimeter

Für 10 cm:

10 x 4,29 = 42,9 Reihen

Das bedeutet, du musst in etwa 43 Reihen stricken, um 10 cm in Höhe zu erreichen.

 

Ein Beispiel für die Kalkulation der Breite:

Frage: Wenn ein Strickstück 15 cm auf 40 Maschen hat. Wieviele Maschen benötige ich für eine Breite von 10 Zentimeter?

Rechenweg:

15 cm entsprechen 40 Maschen:

40/15 = 2,67 Maschen pro Zentimeter

Für 10 cm:

10 × 2,67 Maschen = 26,7 Maschen

Das bedeutet, du solltest etwa 27 Maschen anschlagen, um 10 cm Breite zu erreichen

MEIN 1. KURZARM-PULLOVER MIT FANG-MUSTER / TUCK-STITCH

MEIN 1. KURZARM-PULLOVER MIT FANG-MUSTER / TUCK-STITCH

Heute möchte ich mit euch mein aktuellstes Design vorstellen. Den Kurzarm-Pullover im Retro-Style mit Fang-Muster. 

Das Fangmuster/Tuck-Stitch ist generell eine beliebte Technik im Maschinestricken, die durch das gezielte Nicht-Stricken einzelner Maschen entsteht. Bei Verwendung einer Lochkarte übernimmt die Strickmaschine die Musterung automatisch, wodurch sich gleichmäßige und effektvolle Designs erstellen lassen, ohne dass man einzelne Nadeln manuell anheben muss.

Generell sollte man VOR jedem neuen Projekt ein anständiges Teststück stricken und dieses danach auch waschen und flach liegend trocknen lassen. Sobald der Teststrick getrocknet ist, kann man es korrekt ausmessen und so die Maschenanzahl für eine bestimmte Breite (z.B. 10cm) und die Reihenanzahl für eine bestimmte Höhe (z.B. 10cm) messen. Diese Daten sollte man am Besten auch immer in einer Übersicht dokumentieren. Hätte ich das bei diesem Projekt gemacht, hätte ich mich nach dem Waschen und Trocknen des Pullovers nicht so sehr gewundert, was da vor mir lag…

Doch eins nach dem anderen.

Alles fing mit diesem Fangmuster an. Ich wollte schon seit Langem einen Pullover mit Fang-Muster stricken. Denn egal, wie lange man bereits eine Strickmaschine besitzt, man kommt einfach nicht sofort dazu alle Möglichkeiten dieser Maschine zu testen. Also nahm ich mir letzte Woche die Zeit und probierte einige Lochkarten aus und fing an diese mit einfacher Sockenwolle (75% Schurwolle, 25% Polyamid) zu „teststricken“. Bereits nach wenigen Versuchen habe ich mich in dieses Muster verliebt.

Zunächst strickte ich das Fangmuster mit einer Fadenspanung 8.0, doch dann entschied ich mich für die Fadenspannung 6.0.  Und das funktionierte super. Die Wolle riß nicht und das Fangmuster strickte sich dank einiger Gewichte wunderbar ab. Was sollte also schief gehen?!? Ich verwendete wie immer einfache Sockenwolle, stellte wie so oft meine Fadenspannung 6.0 ein und machte mich an eine neue Strickanleitung, die bzgl. der Maße mit diesen Einstellungen für mich perfekt schien…

Tja. Was soll ich sagen. Meine leichte Überheblichkeit lies mich ganz vergessen, dass sich jedes Muster bzgl. Höhe und Länge anders verhält. Und in jedem alten Maschine-Strickbuch, das ich besitze, steht folgendes zum Thema „Fangmuster“:

„…If you … take the work off the machine, you will find that you have created a fabric that is noticeably wider than the plain knit. This is a characteristic of tuck stitch … and it does mean that you have to be careful when combining different types of stitches in the same garment…“

Übersetzt heißt es:

„…Wenn Sie … die Arbeit von der Maschine nehmen, werden Sie feststellen, dass Sie einen Stoff hergestellt haben, der merklich breiter ist als ein glatt rechts gestricktes Strickstück. Dies ist eine Eigenschaft des Fangmusters … und es bedeutet, dass Sie vorsichtig sein müssen, wenn Sie verschiedene Sticharten im selben Kleidungsstück kombinieren …“

Erfahrene StrickerInnen erahnen bereits, was mir passiert ist.

An der Stelle, an der ich das Fangmuster integrierte, wurde der Strick viel weiter und zudem auch viel kürzer als bei meinem glatt-rechts Gestrick. Ich meine, ich bin ganz froh darüber, dass gecroppte Boxy-Pullover mittlerweile so trendy sind, aber so wirklich geplant war das nicht so.

Ich muss auch zugeben, dass ich Glück im Unglück hatte. Da ich das Fangmuster im unteren Bereich des Vorder- und Rückenteils strickte, wurde der Pullover zwar etwas weiter und auch zugleich kürzer ABER alle Abnahmen, d.h. die Hals-, Arm- und Nackenabnahmen waren „standardmäßig“ in glatt rechts und daher hatte ich keine Probleme beim Einsetzten der Ärmel und des Bündchens am Halsausschnitt.

Klar, ist mir schon im Laufe des Projekts aufgefallen, dass der Pullover etwas weit wirkte, aber während des Strickens dachte ich mir nicht wirklich viel dabei. Manchnmal muss man so ein Strickstück ja erst einmal zusammennähen bzw. häkeln und danach Waschen und Trocknen um die wahre Schönheit eines Strick-Objekts zu erkennen.

Also wusch ich meinen Pullover nach Fertigstellung sofort im Wolle-Programm in meiner Waschmaschine und lies ihn danach liegend auf meinem Kachelofen trocknen (Für irgendwas muss ja so ein Ofen im Winter gut sein.). Doch am nächsten Morgen wurde mir bewusst, dass beim Stricken irgendwas schiefgelaufen sein musste… 

Nun gut. Manchmal muss man es eben auf die harte Tour lernen. Nicht umsonst heißt es, dass man IMMER einen Teststrick vor jedem Projekt machen muss, oder?

 

Aber ich muss gestehen, auch wenn der Pullover überhaupt nicht so geworden ist, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, so finde ich ihn doch ziemlich cool!  Das nächste Mal, wenn ich diesen Schnitt nutze, werde ich jedoch die Ärmel um 8 Reihen kürzen und die Bünchen dafür um 4 Reihen breiter machen. Ich finde diese Ärmellänge etwas grenzwertig, da sie mir fast in den Ellenbogen hinunter reichen. Bei dieser Länge rollt sich zudem das kurze Bündchen fast ein. Doch dies sind marginale Änderungen, die ich das nächste Mal unkompliziert umsetzen kann.

Beim nächsten Pullover-Projekt werde ich jedoch noch einmal extra genau auf meine Maße achten und ein akurates Strick-Teststück anfertigen. Denn jedes Muster und auch jede Wolle verhält sich anders. 

Habt ihr auch solche Projekte in eurem Kleiderschrank? Strickstücke, die überhaupt nicht so geworden sind, wie gedacht, doch letztendlich doch ganz cool aussehen? Erzählt mir davon. 

 

EIN NEUER FAIR ISLE PULLUNDER AUS DROPS FLORA

EIN NEUER FAIR ISLE PULLUNDER AUS DROPS FLORA

Wie ihr  bereits gemerkt habt, liebe ich handgefärbte Wolle. Handgefärbte Wolle zeigt eine wunderschöne Lebendigkeit, die man bei industriell gefärbter Wolle einfach nicht finden kann. Doch das Stricken mit handgefärbter Wolle kann auch sehr nervenaufreibend sein. Ich denke, da werden mir so einige StrickerInnen zustimmen. Klar es gibt Tricks, wie man die handgefärbte Wolle bei größeren Projekten verstrickt, aber dennoch muss ich gestehen, dass ich handgefärbte Wolle mittlerweile gerne nur sehr gezielt einsetze. Ich verwende die kunstvolle Wolle gerne bei meinen kleineren Projekten wie Schals, Mützen, Socken etc. . Bei größeren Projekten habe ich gelernt, dass ich handgefärbte Wolle am Liebsten als Akzent einsetze. So z.B. bei einem Fair Isle-Muster. Doch diese Idee kam mir leider erst NACH diesem Projekt.

Aber eins nach dem Anderen.

Da ich wegen meiner Woll-Färberei immer auch der Suche nach guter Wolle bin, habe ich mir kurz nach Weihnachten endlich einmal eine Wolle von DROPS bestellt. In vielen Beiträgen habe ich von dieser Wolle gelesen und alle waren absolut von der Preis-Leistung der Wollen begeistert. Bei meiner 1. Bestellung habe ich mich für drei unterschiedliche Wollen entschiede, von denen ich erahnen konnte, dass sich diese auf meiner Strickmaschine gut abstricken lassen sollten. Ich habe mich für „Flora“ (65% Wolle und 35% Alpka), „Fabel“ (75% Wolle, 25% Polyamid) und „Nord“ (45% Alpaka, 30% Polyamid und 25% Wolle) entschieden. Alles Wollen aus der Kategorie A von DROPS.

Als ich „Flora“ in den Händen hielt, dachte ich sofort daran mir einen schönen neuen Pullunder zu stricken. 2024 war irgendwie mein Pullunder-Jahr und daher lag es wohl für mich sehr nahe, auch aus dieser Wolle einen schön, warmen Pullunder zu stricken. Lustigerweise hatte ich von Flora auch zwei Farben bestellt („dunkelgrau“ und „petrol“) und so beschloss ich, mir einen Pullunder mit Fair Isle Muster zu stricken. Ich wollte schon lange ein eigenes Lochmuster designen und so freute ich mich wie ein kleines Kind, dieses zu zeichnen und auszustanzen. Das passende Werkzeug dazu hatte ich mir damals mit meiner Pfaff Duo 80 auf eBay ersteigert.

Und was soll ich sagen?!? Nachdem ich die Wolle für mein Maschinestricken vorbereitet hatte (neu wickeln + wachsen + erneut wickeln), lies sich die Wolle auf meinen Brother Strickmaschinen wunderbar verstricken. Ich hatte nur an einer Stelle einen Fadenriss, woran ich aber letztendlich selbst Schuld war. Ich hatte bei der Rückseite meines Pullunders irgendwie Probleme mit dem Fair Isle Muster. Also nicht mit der Strickmaschine, sondern irgendwie konnte ich mich anscheinend nicht richtig konzentrieren und machte bei der Abnahme ständig irgendwelche Fehler… Nun gut, so lernte ich, wie ich Fair Isle auftrennen muss und mit der Lochkarte wieder neu stricke. Was in Wahrheit bei mir zu einen kleinen Nervenzusammenbruch führte.

Doch nachdem ich alle Teile gestrickt hatte, konnte ich das Vorderteil und das Rückenteil mit einem Matrazenstich vernähen und die Bündchen einhäkeln. Als Grundmodell habe ich hierfür im Übrigen meinen Pullunder „Carla“ verwendet. Die kostenlose Anleitung findet ihr in einem älteren Post dazu. Für dieses Projekt habe ich den Schnitt jedoch verlängert, da ich den Pullunder ganz klassisch über einem Hemd oder einem dünne Sweatshirt tragen wollte. 

Abschliesend möchte ich ein paar Worte zu der verwendeten Wolle sagen.

Wenn du luxuriöse Naturfasern zu einem guten Preis liebst, dann scheint die Wolle „Flora“ von DROPS tatsächlich eine gute Wahl zu sein. Egal ob du die Wolle für deine nächsten Strick- oder Häkelprojekte von Hand suchst oder so wie ich für dein nächstes Strickprojekt auf der Maschine.

Alpaka-Wolle zählt generell zu den edelsten Naturfasern der Welt. Ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammend, begeistert sie durch ihre einzigartige Kombination aus Weichheit, Wärme und Nachhaltigkeit. Die hypoallergene Faser enthält kein Lanolin, wodurch sie auch für empfindliche Haut geeignet ist. Dank ihrer außergewöhnlichen Isolationsfähigkeit hält Alpaka-Wolle im Winter wunderbar warm und bleibt dabei atmungsaktiv – ideal für jedes Wetter. Während reine Alpaka-Wolle für luxuriöse Projekte geeignet ist, bietet Flora eine etwas robustere und gleichzeitig budgetfreundlichere Alternative.

Flora von Drops besteht zu 65 % aus peruanischer Wolle und zu 35 % aus Alpaka – eine Kombination, die Weichheit, Wärme und Strapazierfähigkeit optimal vereint.

Nun verrate mir, hast du schon ein Projekt aus dieser Wolle gestrickt/gehäkelt? Warst du auch so begeistert wie ich? Ich werde mir in Kürze noch einmal „Flora“ bestellen, dann allerdings in der Farbe „natur“ zum Färben. Denn ich kann mir einen Pullover in einem Fair Isle Muster aus dieser Wolle mit Handfärbung undlaublich gut vorstellen!