Gerade aktuell, in Zeiten vermehrter Klimakrisen und Hungersnöten, hört man den Begriff „Nachhaltigkeit“ nahezu ständig in den Medien. Doch was bedeutet eigentlich „Nachhaltigkeit“? Und warum geht Nachhaltigkeit uns alle etwas an? Wenn man bei Wikipedia nachschlägt, dann findet man folgendes: „Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll.“ Das bedeutet für uns im Alltag, dass wir bei unserem Konsumverhalten Rücksicht auf den Entstehungsprozess nehmen und das große Ganze im Blick behalten müssen. Doch wie schaffen wir das?

1. ERNÄHRE DICH SAISONAL

Wenn ich heute in einem gut sortiertem Supermarkt einkaufen gehe, dann fühle ich mich schon manchmal ziemlich überwältigt. Die Auswahl an frischen Lebensmitteln ist einfach riesig! Es gibt alles und das zu jeder Jahreszeit. Neben einheimischen Produkten, die gerade Saison haben, bekomme ich jegliche Art an Obst und Gemüse angeboten, die ich mir nur vorstellen kann. Selbstverständlich aus allen Ländern der Welt importiert.

Es mag für viele Menschen albern klingen, gerade für die jüngeren Generationen, aber warum wird mir diese große Vielfalt angeboten? Klar, weil die Konsumenten danach fragen. Doch seien wir doch mal ganz ehrlich zu uns selbst. Obst und Gemüse, das aktuell nicht Saison hat, schmeckt in der Regel einfach nur fad, wässrig oder mehlig. Oder schmecken dir wirklich die Erdbeeren, die du im Winter kaufen kannst? Schmecken diese wirklich so, wie eine Erdbeere schmecken soll?

Seit einigen Jahren kann ich nur noch saisonal essen. Wie oft habe ich mehlige Blaubeeren, wässrige Erdbeeren und geschmacklose Gurken gekauft und gegessen. Doch dieser Geschmack hat mich irgendwann so angeekelt, dass ich bei frischen Produkten nur noch saisonal einkaufe. Seit mehreren Jahren versuche ich zudem nur noch mein eigenes Obst und Gemüse frisch oder aus meinem angelegten Vorrat zu essen. Die einzige usnahme, die ich jedoch bei jedem Einkauf mache, sind Bananen. Ich liebe Bananen und ich verwende sie eigentlich täglich in meiner Ernährung. Das liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass Bio-Bananen selbst sehr gut nachreifen, auch wenn sie unreif eingeflogen werden.

Doch bei meinem Einkaufsverhalten geht es nicht nur um den Geschmack von Lebensmitteln. Obst und Gemüse, das außerhalb der Saison produziert wird oder das einfach nicht aus unseren Wärmegraden stammt, wird oft in beheizten Gewächshäusern angebaut. Dabei entstehen deutlich mehr CO2-Emissionen als bei einem Freiland-Anbau. Wird Obst und Gemüse zusätzlich aus dem Ausland importiert, so muss es über weite Strecken mit dem Flugzeug eingeflogen werden. Die dadurch entstandenen CO2-Gase sind enorm. Ich habe gelesen, dass nach Schätzungen in Deutschland etwa 1/4 der Treibhausgase ernährungsbedingt verursacht werden. Das muss man sich einmal vorstellen! Die klimaschädlichen Emissionen entstehen bei der Erzeugung, beim Transport, der Verarbeitung bis hin zur Verwendung der Lebensmittel in Haushalt und Gastronomie einschließlich der Entsorgung.

Mein wichtigster Tipp für mehr Nachhaltigkeit im Alltag ist daher, fang an, dich saisonal zu ernähren. Erlebe geschmacklich hervorragende Produkte und spare dabei CO2 ein. Werde wieder kreativ beim Kochen, entdecke „neues“ Gemüse und denke nicht, dass du dich durch den saisonalen Einkauf einschränkst. Genau das Gegenteil wird der Fall sein.

Übrigens, wenn du nicht weißt, was aktuell Saison hat, dann rate ich dir einfach mal nach saisonalem Obst und Gemüse zu googeln oder dir gleich einen Saison-Kalender zu kaufen. So hast du immer einen Einkaufskompass zur Hand.

2. WÄHLE IDEALERWEISE REGIONALE PRODUKTE

Meiner Meinung nach ist es nicht nur wichtig, saisonale Produkte einzukaufen, sondern auch regionale Produkte. Ich habe ja immer den Einkauf im Hofladen geliebt, doch mittlerweile baue ich ja fast mein ganzes Gemüse und Obst selbst an und gehe dementsprechend nur noch wenige frische Lebensmittel einkaufen. Ich kann Hofläden aber definitiv empfehlen. Dort erhältst du in der Regel nicht nur regionale, sondern auch immer saisonale Produkte. Zudem kann man meist mit den Erzeugern über die Produkte sprechen und erfährt so immer wieder etwas neues über den Anbau oder die Zubereitung. Neben Hofläden empfehle ich aber auch regionale Obst- & Gemüseläden oder auch Bauernmärkte in deiner Stadt. So kannst du die Region finanziell unterstützen und so für weiterhin mehr Vielfalt im Stadtbild sorgen.In manchen Gemeinden gibt es zudem noch die fahrende „Eierfrau“ oder die „Gemüsefrau“, die mit ihren Wagen durch die Straßen fahren und mit lautem Gebimmel ankündigen, dass sie mit ihrem mobilen Stand nun da sind und ihre Produkte verkaufen. Ist das nicht toll?!? So etwas muss man unbedingt unterstützen. Denn gerade für Menschen, die nicht mehr so mobil sind oder anderweitig gehandycapt sind, ist das eine großartige Möglichkeit, sich frisch und regional (und saisonal) zu ernähren. Zuletzt möchte ich auch noch die Obst & Gemüse-Kisten erwähnen, die man mittlerweile in sehr vielen Regionen bestellen kann. Darin sind ebenfalls meist nur regionale und saisonale Produkte enthalten.

3. NUTZE BIO-ANGEBOTE (WEISE)

2001 führte Deutschland das staatlich kontrollierte Bio-Siegel ein, mit dem nur nach der EG-Öko-Verordnung hergestellte Produkte gekennzeichnet werden dürfen. Dieses Sigel sollte etwas mehr Licht in den Bio-Markt bringen. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass man nicht einfach ein Bio-Siegel bekommt, man muss es sozusagen beantragen und auch dafür bezahlen. Zudem bedeutet Bio nicht unbedingt, dass das gekaufte Produkt so idylisch hergestellt wurde, wie man es sich vielleicht vorstellt. Das Sigel gibt nur bestimmte Rahmenbedingung vor, wie ein Produkt hergestellt werden darf, wenn man das Bio-Siegel erhalten möchte. Es gibt hier viele „Ausnahmen“, die man sich als Käufer gar nicht bei einem Bio-Produkt vorstellen könnte.

Auf Wikipedia habe ich eine ganz tolle Übersicht über die verschiedenen Bio-Siegel – ja es gibt nicht nur das staatlich eingeführte Bio-Siegel – gefunden. Wenn ihr euch etwas mehr über die verschiedenen Siegel auf dem Markt informieren wollte, dann würde ich euch diese Auflistung definitiv empfehlen.

Ihr seht Bio muss nicht gleich Bio sein, wie wir es uns in unseren Träumen ausmalen. Aber es ist zumindest schon mal ein Anfang. Ich persönlich präferiere beim Einkauf von Lebensmitteln nicht unbedingt immer Bio gegenüber Konventionell. Das hat ganz einfach den Grund, dass es sich gerade im Supermarkt bei vielen Produkten mit Bio-Siegel um importierte Produkte handelt. Da präferiere ich dann oft eher die regionalen und saisonalen Produkte, auch wenn diese u.U. konventionell hergestellt wurden bzw. einfach nur das Bio-Siegel nicht besitzen. Doch grundsätzlich versuche ich alles zumindest in Bio-Qualität zu bekommen. Bananen und Eier sind solche Produkte, die ich immer in Bio-Qualität einkaufe. Mein Mehl und meine Haferflocken kaufe ich online sogar in Demeter-Qualität. Die Qualität hat mich hier absolut überzeugt. Auch wenn ich es nie gedacht hätte, merkt man hier noch einmal einen großen Unterschied zu Bio-Varianten.

Der Hauptbestandteil meiner Lebensmittel baue ich aber mittlerweile sowieso selbst biologisch an. Ganz ohne Siegel, aber mit dem Hintergrundwissen, wie meine Pflanzen gewachesen und gepflegt wurden.

4. ERNÄHRE DICH ÖFTERS MAL VEGETARISCH/VEGAN

Das ist eine Aussage, die definitiv nichts hippes haben soll und nichts mit dem aktuellen „Food-Trend“ zu tun hat. Es ist mittlerweile bekannt, dass die Fleischproduktion zu viel Ackerland beansprucht und dass die Tiere klimaschädliches Methangas produzieren. In diesem Zusammenhang gibt es  Schätzungen, dass Menschen, die sich komplett vegetarisch ernähren, jährlich 300 bis 400 Kilogramm CO2 einsparen. Das klingt doch gut, oder? Doch eine Sache, die mich in den letzten Jahren immer mehr aufregt, ist die Tatsäche, dass die neuen „Flexitarier“ auf so viele neue Alternativ-Produkte wie Tofu & Co zurückgreifen. Alles natürlich mit Fleischgeschmack. So bitte nicht. Denn auch diese Pflanzen müssen extra angebaut werden. Und der Vermehrte Anbau von Soja bringt neue Probleme mit sich. Doch das führt nun zu weit.

Ich propagiere definitiv eine ausgewogene Ernährung, mit wenig und dafür verantwortlich „produziertem“ Fleisch, dafür aber mit genügend Gemüse und Obst. Gerne auch ab und an mit etwas Tofu, wenn man mag. Aber bitte alles in Maßen und mit Sinn und Verstand.

5. KOCHE SELBST

Ja, auch das ist eine Möglichkeit für mehr Nachhaltigkeit im Alltag. Koche wieder selbst. Wie oft sehe ich Menschen, schnell zum Bäcker rennen, um sich dort einen Snack für die Autofahrt zu holen. Oder Menschen, die zum Take-Away gehen und sich dort schnell ihr Abendessen mitnehmen. Ich finde diese Essens-Entwicklung ganz schrecklich. Essen sollte so viel mehr sein, als schnell etwas zu sich zu nehmen. Essen sollte mit Genuss gleichgestellt werden. Und Genuss bedeutet nicht eine Masse an Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die dafür extra produziert werden musste und die dann teilweise auch noch einfach am Ende des Tages weggeschmissen wird.

Als ich noch nicht selbstständig von Zuhause aus gearbeitet habe, ging ich mit meinen KollegInnen immer mittags zum Essen in die Kantine. Diese Zeit hat mich total geprägt. Ich fand es schrecklich, dass ich jedes Mal so viel Geld für Essen ausgeben musste, das mir nicht geschmeckt hat und das mir auch nicht wirklich gut getan hat. Zudem schlangen immer alle KollegInnen ihr Essen herunter, weil sie in der kurzen Mittagspause noch eine Rauchen oder einen Kaffe trinken wollten. Das war so überhaupt nicht meine Welt. Essen gehen war bis dahin immer etwas ganz besonderes, für das man sich schick angezogen und worauf man sich wirklich gefreut hatte. Doch das war nicht mehr so.

Dank meines Home-Office konnte ich diesen Zustand jedoch schnell wieder ändern. Und so koche ich nun fast täglich 3x frisch für mich, meinen Mann und für unseren Hund. Und uns geht es sehr gut dabei. Mittlerweile haben sich auch unsere Mägen derart an unser gutes, saisonales Essen gewöhnt, dass wir nirgends wo anders mehr essen wollen. Sollten wir doch einmal auswärts essen, so bekommen wir fast überall Magenschmerzen.

Die regelmäßige und einfache Ernährung hat auch gezeigt, dass man nicht viel benötigt, um satt und glücklich zu sein. Schnibbelt man unterschiedliches Gemüse zusammen und mischt dieses mit ein paar Kartoffeln, so hat man ein gesundes Essen, das einen 2-Personen-Haushalt über mehrere Tage satt macht. Probiert es doch einfach selbst aus!

6. BAU DEIN EIGENES OBST & GEMÜSE AN

Tja und zu guter letzt propagiere ich definitiv den eigenen Obst- und Gemüseanbau für mehr Nachhaltigkeit. Was gibt es ökologisch sinnvolleres, als den „Farm to Table“ Ansatz?!? Man baut nur an, was man benötigt und erntet nur dann, wenn man etwas verarbeiten möchte. Selbstverständlich sollte jeder nur mit den Mitteln arbeiten, die man zur Verfügung stehen hat und auch nur in dem Maße, in dem es einem Freude bereitet. Ich selbst habe mit ein paar Kräutern in Töpfen begonnen, danach holte ich mir 3 kleine Hochbeete und begann neben Kräutern auch Zucchini, Gurken und Tomaten anzubauen. Mittlerweile habe ich neben den 3 kleinen Hochbeeten, in denen ich mittlerweile hauptsächlich Salate, Spinat und Rote Beete anbaue, auch noch 9 klassische Hochbeete, in denen ich meinen kompletten Gemüseanbau übers Jahr verteilt anpflanze. Da wir aktuell das Glück haben und in einem Haus mit großen Garten wohnen, konnte ich neben meinen Gemüsegarten auch einen kleinen Obstgarten anlegen. Darin befinden sich verschiedene Beeren-Sträucher und auch ein paar junge Spalier-Äpfel. Mein großes Ziel ist es, mich und meine kleine Familie zukünftig fast ausschließlich von meinem eigenen Obst und Gemüse übers ganze Jahr verteilt, zu ernähren. Das bereitet mir sehr große Freude. Selbstverständlich werde ich bestimmte Produkte immer dazu kaufen müssen, da ich kein Gewächshaus besitze, aber dennoch ist es mein großes Ziel, „autark“ zu leben. Das muss nicht dein Ziel sein, aber versuch es doch einfach mal mit deinem Lieblingsgemüse. Du wirst merken, dass der Geschmack und die Frische von eigens angebauten Lebensmitteln absolut unschlagbar ist.